Walter Laufenberg erhält beim Jahreskongress des FDA (5. bis 7. November 2010) in Leipzig den FDA-Förderpreis für Literatur 2010 |
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Laudatio des Vorsitzenden des FDA-Landesverbandes Baden-Württemberg, Dr. Hartmut Brie, anlässlich der Verleihung des FDA-Förderpreises für Literatur 2010 am 7. November 2010 in Leipzig Walter Laufenberg ist polyvalent. Er schreibt und schreibt in einem festgelegten Rhythmus, in diesem Punkt fast so diszipliniert wie Thomas Mann. Das Schreiben ist bei ihm eine Besessenheit und eine Berufung, er hat etwas zu sagen und will dies literarisch gekonnt mitteilen. Er ist in vielen Genres zu Hause und beherrscht sie mit einem Einfühlungsvermögen, um das ihn sicher viele beneiden. Er schreibt Kurztexte, Sachbücher, Gedichte, Romane, Portraits, er gibt ein Periodikum als Internet Magazin zu zeitkritischen Fragen heraus, er ist überall präsent, auch mit Titeln wie dem „Läster-Lexikon“, und hat ein Publikum gefunden, das ständig auf neue Werke wartet. Walter Laufenberg ist ein Sprachvirtuose, er bearbeitet die Wörter, schleift sie, bringt sie auf den Punkt und führt sie einem Ziel zu, das nicht selten eine Zeit- und Milieustudie vergangener und gegenwärtiger Zeit beinhaltet. Er wahrt dabei eine soziale Distanz und eine Haltung des „über der Sache Stehenden“, aber mit ihr Empfindenden. Laufenberg hat es nicht nötig, sich einem Verlag anzubiedern. Er ist ein sehr nachdenklicher Autor, der das Verlagswesen durchschaut und weiß, dass der gefällige Autor eher Abnehmer findet als der kritische. Das durch geschicktes Marketing auf die Bestsellerliste gehievte Buch ist nicht seine Sache, er legt eher Wert auf Stil, Inhalt und gekonnten Handlungsablauf in seiner unverwechselbaren Weise und ist nicht bereit, sich einem Verlag zu verkaufen, nur weil dieser eine Lücke in seinem schnelllebigen Verlagsprogramm abdecken muss. Er selbst sagt, dass das, was im Buchhandel stapelweise liegt, Ramschliteratur, pures Lesefutter ist. Er bezieht den Leser in seine Denk- und Darstellungsweise ein und nimmt ihn auf seiner literarischen Reise mit. Walter Laufenberg ist einer, der dagegen hält, seine Meinung artikuliert, kritisch hinterfragt und diese Haltung in seine Personen einfließen lässt, er ist einer, vor dem die Kritiker und Leser ihren Hut abziehen. Seine Themen kreisen immer wieder um die Beziehungen der Menschen zueinander und gegeneinander, um ihr Geworfensein in die Welt und ihre Selbstfindung. Die Rolle Gottes wird vermenschlicht wie in den Aussagen der zentralen Person von Frieder in“Der Hund von Treblinka“:“Wie soll ich darüber hinwegsehen, dass Gott sich im Buch Hiob ein hundsgemeines Spielchen mit den Menschen erlaubt? ... Da hatte Frieder auf einmal einen Abstand zu Gott….Ja, wenn Gott sich nicht um uns kümmert, wenn er so weltfern sein Leben lebt ohne Rücksicht auf mich, dann muss ich mein Leben leben ohne Rücksicht auf ihn.“ Walter Laufenberg ist ein aufgeklärter Aufklärer. Diese Einstellung widerspiegelt sich in seinem ganzen Werk und wird auch deutlich in der Literatur über sein Werk (Bibliografie) und in den vielen Auszeichnungen, von denen der Förderpreis für Literatur des FDA sicher nicht der letzte ist. Walter Laufenberg kommt von den Sozialwissenschaften her mit weiteren Studien in Jura und Volkswirtschaft. Er hat in den Medien und für die Medien gearbeitet und weist eigene Verlagserfahrung auf. Ich erlebte Walter Laufenberg bei seiner Geburtstagsfeier in Heitersheim, dem Sitz des Johanniter-Malteser-Ordens, wie er professionell historische Szenen aufführen ließ und sich selbst in Szenen einbrachte im Dialog mit Perkeo, dem Zwerg von Heidelberg, dem Titel seines Buches in Neuauflage, dargestellt vom kleinwüchsigen Schauspieler Peter Brownbill. Die Verfilmung des Buches ist im Gespräch und der FDA wünscht ihm dabei viel Erfolg! In Heitersheim (das Jahrhunderte lang als Sitz der Malteser diente und das auch im neuen Buch Laufenbergs „Die Favoritin zweier Herren“ erwähnt wird) konnte man hautnah miterleben, dass Laufenberg eine Ausnahmeerscheinung in der Literatur ist, ein Autor, der Selbstironie und Suggestion als wesentliche Merkmale seines Werkes beherrscht, der experimentierfreudig ist und der nach sorgfältigem Recherchieren Historie wieder zu einem Bestandteil abendländischer Kultur macht, die der Leser nachvollziehen kann. Sein Einsatz zur Erhaltung der deutschen Sprache kam hier genauso zum Ausdruck wie in seinem Bestseller „Der Hund von Treblinka“, in dem er von der neuen Generation in Deutschland sagt: „Die Deutschen kapitulierten und übergaben kampflos das Beste, das sie hatten: Ihre Sprache. Ist Sprache doch viel mehr als bloß ein Verständigungsmittel. Sprache ist die kondensierte Vergangenheit einer Nation.“ Ich stimme in diesem Punkt nur teilweise mit Walter Laufenberg überein, möchte aber ihm doch deutlich machen, dass es Wörter gibt, die in einer anderen Sprache mehr Konnotationen transportieren. Deshalb möchte ich hiermit Laufenberg einen „homme de lettres“ nennen, einen „homme d´esprit“. Ein größeres Lob kann man im Französischen kaum erhalten für ein Lebenswerk, das wie dasjenige von Laufenberg so vielfältig, vielschichtig, experimentierfreudig und umfangreich ist. Allerdings bleibt die Frage offen, warum Laufenberg nicht schon früher vom FDA als großartiger Erzähler erkannt wurde. Ich freue mich als Schriftstellerkollege, Laufenberg heute den Förderpreis überreichen zu dürfen. |
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Walter Laufenberg präsentierte in Heitersheim seinen neuen Roman „Die Favoritin zweier Herren“ und die Neuauflage seines Buches „Perkeo - Der Zwerg von Heidelberg". | ||